Was will der Kanton verstecken?
In der Stellungnahme verweigert der Regierungsrat die transparente Information der Bevölkerung, die die Zeche zu bezahlen hat. Der Regierungsratsbeschluss enthält viele geschwärzte Stellen.
Leserbrief: Was will der Kanton verstecken?
Was der Kanton Schwyz mit seinem Entscheid für die Verlagerung in die Microsoft365-Cloud plant, würde ich als IT-Unternehmer keinem meiner Kunden empfehlen.
Vor zwei Monaten habe ich die Entscheidungsgrundlagen angefordert. Jetzt kam endlich die Antwort: Weder Machbarkeits- noch Risikoanalyse werden herausgegeben. Der zugestellte Beschluss ist zu grossen Teilen geschwärzt. Was hat der Kanton zu verstecken?
Der Regierungsrat legt immerhin offen: 1,2 Mio € pro Jahr allein für Microsoft-Lizenzen, und Microsoft erhöht die Preise beliebig. Für die Einführung hat der Kanton der Firma Upgreat bereits 1.5 Mio Fr. zugesprochen. Dazu kommen drei neue Vollzeitstellen: 480’000.- pro Jahr. Viel Geld, aber der Steuerzahler soll die Entscheidungsgrundlage nicht erfahren.
Die Evaluation war von Anfang an auf Microsoft 365 ausgerichtet. Im Beschluss steht, es sei «nahezu alternativlos», doch ein Vergleich mit Alternativen wurde nicht durchgeführt. Also eine Beschaffung mit vorgefasstem Ergebnis.
Dabei geht die Schweiz längst den richtigen Weg: Letztes Jahr gründete die Berner Fachhochschule, der Kanton Bern, die Stadt Zürich und verschiedene Bundesstellen das „Staatszentrum für digitale Souveränität”. Dieses fördert Open-Source und hat mit openDesk eine Lösung im Fokus, die speziell für öffentliche Verwaltungen entwickelt wurde. Schleswig-Holstein hat bereits 30’000 Regierungsmitarbeiter erfolgreich umgestellt.
Laut Regierungsratsbeschluss dürfen besonders schützenswerte Personendaten der Schwyzer in der Cloud des US-Konzerns gespeichert werden. Umgekehrt sollen die Entscheidungsgrundlagen den Steuerzahlern nicht offengelegt werden. Ein Widerspruch!
Ich fordere transparente Information und weniger Abhängigkeit des Kantons.
Josef Ender, IT-Unternehmer, Ibach
