Schweizer Armee warnt vor totaler Abhängigkeit — Kanton Schwyz ignoriert

Wem fehlt das Expertenwissen?

Unsere Reaktion auf die Stellungnahme von Regierungsrat Huwiler

(Als Medienmitteilung verschickt am 16.7.2026)

Schweizer Armee warnt vor totaler Abhängigkeit — Kanton Schwyz ignoriert

Frye Schwyzer fordern Kurswechsel nach Vortrag von Kommando-Cyber-Chef Divisionär Simon Müller

Auch Nationalrat Dominik Blunschy widerspricht Regierungsrat Huwiler

Schlichtungsverfahren vor der Öffentlichkeitsbeauftragten des Kantons Schwyz eingeleitet


Am kürzlichen Parldigi-Dinner 2026 (Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit) zum Thema OpenSource im Sicherheitsbereich hat Divisionär Simon Müller, Chef des Kommando Cyber der Schweizer Armee, unmissverständlich klargemacht, was digitale Souveränität bedeutet: «Wir wollen auf jeden Fall die totale Abhängigkeit verhindern. Von einem Service oder von einem Produkt zu stark abhängig sein, genau das wollen wir nicht.»

Weiter sagte Müller: «Souveränität und Resilienz sind für mich zwei ganz wichtige Faktoren, um verteidigungsfähig zu sein.»

Die Schweizer Armee handelt konsequent: Sie betreibt drei eigene Rechenzentren und stellt bis Oktober alle Arbeitsplätze des Kommando Cyber von Microsoft Office auf OpenDesk um sowie OpenSource basierte Videotelefonie und Mailing. Souveränität bedeutet: Hoheit über die eigenen Daten, Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern und die Fähigkeit, auch im Krisenfall vollständig handlungsfähig zu bleiben.


Der Kanton Schwyz geht den entgegengesetzten Weg

Während die Schweizer Armee konsequent auf Unabhängigkeit setzt, beschloss der Schwyzer Regierungsrat die Einführung von Microsoft 365 und bezeichnet diese Lösung im Beschluss selbst als «nahezu alternativlos.» Genau die totale Abhängigkeit, vor der Divisionär Müller warnt, wird damit zementiert. Microsoft kann Preise jederzeit erhöhen, den Zugriff einschränken, wie es bei 9 Richtern des internationalen Strafgerichtshof im 2025 passiert ist: Ihre Benutzerkonten auf amerikanischen Plattformen wurden gelöscht oder — wie im Fall der niederländischen Behörden — Daten an US-Behörden herausgegeben. Der Kanton wird in solchen Fällen schutzlos ausgeliefert sein.

Jetzt könnten noch wichtige Entscheidungen für Souveränität getroffen werden. Einmal mit etwa 1500 Arbeitsplätzen in der Microsoft-Cloud ist es extrem schwierig, aufwändig und kostenintensiv, da wieder herauszukommen.


Antwort auf Huwilers Stellungnahme

Finanzdirektor Herbert Huwiler erklärte kürzlich, die Kritik entbehre «einer effektiven Grundlage und des nötigen Expertenwissens.» Alternativen seien «umfassend evaluiert und getestet» worden. Im Regierungsratsbeschluss steht jedoch das Gegenteil: Microsoft 365 sei «nahezu alternativlos», ohne einen einzigen dokumentierten Vergleich mit konkreten Alternativen.

Huwiler behauptet weiter, Open Source biete unzureichende Sicherheitsstandards und fehle es an Interoperabilität. Die Schweizer Armee, das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein mit 30’000 umgestellten Mitarbeitern und das Staatszentrum für digitale Souveränität von Bund, Kanton Bern und Stadt Zürich beweisen das Gegenteil. 

Bei der Eröffnungsrede am Parldigi-Dinner widersprach auch der Schwyzer Nationalrat Dominik Blunschy den Aussagen Huwilers:»Open-Source Technologien sind überall im Einsatz. Sie werden in der Privatwirtschaft und auch in der Verwaltung an kritischen Stellen eingesetzt, auch im militärischen Umfeld».

Josef Ender, IT-Unternehmer mit über 30 Jahren Erfahrung: «Wenn die Schweizer Armee Microsoft 365 als ungeeignet einstuft und auf Open Source setzt, aber der Schwyzer Regierungsrat trotzdem den entgegengesetzten Weg geht: Wer hat dann das fehlende Expertenwissen?» 

Auffälligerweise geht Huwiler in seiner Stellungnahme gar nicht darauf ein, dass bekannt wurde, dass Microsoft kürzlich Daten von niederländischen Staatsangestellten an die USRegierung ausgehändigt hat. Der Regierungsrat hatte den US-Cloud-Act als theoretisches Risiko bezeichnet und behauptet, es sei kein einziger Fall bekannt. 

Der Schwyzer Regierungsrat schrieb, er wolle modernisieren. Cloud war vor Jahren modern. Inzwischen haben viele Firmen und Behörden realisiert, dass die Abhängigkeit schädlich und teuer ist. Schon seit Jahren ist wieder Souveräne IT die von Experten und Fachzeitschriften anerkannte richtige und moderne Strategie. 


Steuerzahler haben ein Recht auf Transparenz

Die Machbarkeitsstudie und Risikoanalyse wurden mit Steuergeldern finanziert. Die Schwyzer Bevölkerung bezahlt — sie hat ein Recht zu erfahren, was darin steht. Der Regierungsrat verweigert die Herausgabe und schwärzte fünf von 23 Seiten des Beschlusses. Souveränität beginnt nicht erst bei den Daten — sie beginnt beim Recht der Bürger, die Entscheidungsgrundlagen ihrer Regierung zu kennen.

Die Frye Schwyzer haben das Schlichtungsverfahren vor der Öffentlichkeitsbeauftragten des Kantons Schwyz eingeleitet um die vollständige Veröffentlichung der Dokumente zu erwirken. Dieses soll in der zweiten Augusthälfte stattfinden. 


Frye Schwyzer fordern

  1. Sistierung des Microsoft-365-Entscheids und echte Evaluation mit Open-Source Alternativen
  2. Herausgabe der Machbarkeitsstudie und Risikoanalyse — bezahlt von den Steuerzahlern, ihnen gehören sie.
  3. Veröffentlichung des ungeschwärzten Regierungsratsbeschlusses
  4. Bevorzugter Einsatz von Open-Source Software. Souveräne IT im Kanton Schwyz mit Bevorzugung lokaler Anbieter.

Quellen:

Finanzdirektor Huwiler bemängelt fehlendes Expertenwissen in der Diskussion um Microsoft 365.

Bericht zum US CLOUD Act https://www.itmagazine.ch/artikel/87259/Cloud_Act_in_Aktion_Microsoft_haendigt_Daten_von_Beamten_an_USA_aus.html

Benutzerkonten von Richtern des internationalen Strafgerichtshof gesperrt https://www.republik.ch/2026/07/09/die-cyber-spezialisten-des-bundes-kehren-microsoft-den-ruecken

Parldigi Dinner 2026: Open Source im Sicherheitsbereich https://parldigi.ch/de/rueckblick-parldigi-dinner-open-source-sicherheitsbereich

Vorhergehende Artikel zum Thema: https://www.josefender.ch/aktuelles